Ein Baum im Hirschpark. Hoffentlich bleibt er uns noch lange erhalten.
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Links Hamburg, rechts die Nordsee, vorn Finkenwerder und hinten bald Dänemark. Um uns Blankenese. Über uns der Himmel. Unter uns die Elbe. Und wir: Mitten drin! Wolfgang Borchert

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Von Hammerbrook ins Kanalsystem der Bille

Am Freitag, den 12. Mai 2017 lud Herr Runge vom „Verein Hamburg – Grüne Metropole am Wasser e.V.“ und die patriotische Gesellschaft, sowie der Blankeneser Bürger-Verein mit Herrn Prof. Dr. Jürgen Weber zu einer Barkassenfahrt von Hammerbrook durch das Kanalsystem der Bille mit Ihrer weitgehend unbekannten Stadtlandschaft ein. Unbekannt, auch wohl deshalb, weil in Hammerbrook etwa nur 2500 Menschen wohnen. Die Fahrt begann am Anleger des Mittelkanals direkt unter dem S-Bahnhof Hammerbrook in der City-Süd. Hier wurden in den letzten Jahrzehnten viele Bürohäuser erbaut und auch Zugänge und Promenaden zum Kanal geschaffen. Alles wirkte aber ungepflegt und hat wohl eine geringe Aufenthaltsqualität. Zwei weiße Wassertröge aus Beton für Wohnboote warten auf Käufer am Kai. Ein weiteres ist schon ausgebaut und haart auf Nachbarboote. Fast pünktlich kam die Barkasse „Speicherstadt“ und nahm unsere etwa 40 Leutchen auf und los ging es durch den Mittelkanal nach Osten. Vorbei an großen Bürohäusern. Kinder einer internationalen Schule winkten uns zu. Ein bekannter Architekt hat sich hier mit dem gläsernen Doppel – X -  Haus verwirklicht und am Ende des Wasserbassin grüßte der „Berliner Bogen“ mit seinem halbrunden Dach, in dem die Büroleute bei Regen sich wie in einem U-Boot wähnen. In 5 er Gruppen liegen an der Ostseite des Wasserbassins bessere Hausboote . Rechts am Heidenkampsweg wurden sehr spät nach dem Kriege am Kanal Bürohäuser zwischen Sstraße und Kanal gebaut. Im Sommer 1943 legten anglo - amerikanische Bomberverbände bei 213 Angriffen große Teile Hamburgs in Schutt und Asche.Allein in Hammerbrook starben über 12 000 Frauen, Kinder und meist alte Männer. Das alte Hammerbrook mit 60 000 Bewohner, Hamburgs dichtest besiedeltes Gebiet, gab es nicht mehr. Nach dem Krieg wurde Hammerbrook nicht wieder aufgebaut. Das Grauen vor diesem geschundenen Gebiet und der blutgetränkte Boden mit den vielen Leichen im den Schuttmassen hielt Senat und Stadt lange Zeit von dem geordneten Wiederaufbau ab. Das von Kanälen und der Bille durchzogene Marschenland wurde von Speditionen, Autohöfen großformatigen Straßenkreuzungen und Industriebauten besiedelt. Tausende von Kleingärten entstanden auf der Billerhuder Insel und an dem Ufer der Bille und den Kanälen. Obwohl Industrie und Gewerbebauten dominieren, kann man bei einer Kanalfahrt durchaus auch venezianische Momente in diesen amphibischen Hamburg erleben. Gab es doch in früheren Zeiten Landhäuser und Barockgärten von Hamburgern, die hier den beengten Verhältnissen im alten Hamburg entfliehen wollten. Die Bille mündet bei der Brandthofer Schleuse in die Elbe. Hier ist der große Obst-und Gemüsemarkt Hamburgs und unweit ist ein großer LKW Parkplatz, wo nächtens die Fahrer nach der Entladung ihrer Fahrzeuge übernachten. Belastet wird dieses Gebiet mit ihrer Zwischenbegrünung zwischen Bahndamm und Amsinckstraße durch rumänische Wanderarbeiter, die hier ihre Zelte und Bretterbuden errichten und dadurch für die Vermüllung dieses Gebietes immer wieder sorgen. Auch Prostitution und Alltagskriminalität gedeihen neuerdings hier sehr, wie uns von Jan Pietsch vom Fachamt für Stadtentwicklung und Wohnen mitgeteilt wurde. Weiter östlich am ehemaligen Hannöverschen Bahnhof an der Billstraße ist die Erstaufnahmestation für Flüchtlinge und Asylsuchende. Rechts ist Rothenburgsort mit einem Gelände von Mercedes-Benz und links ist das Bille Ufer mit Kleingärten und Bootsanlegern. Öffentliche Wege zum Billeufer sind rar. Ein sehr durchsetzungsfähiger Hamburger Bausenator Wagner hatte vor Jahrzehnten versucht, die Kleingärten mit 6 stöckige Wohnhäusern zu ersetzen, ist aber am Widerstand der meist sozialdemokratischen Bewohner der KLG gescheitert. Jetzt hat die Umweltbehörde das Projekt Wohnungsbau an Bille und Kanälen den Bezirken Mitte und Bergedorf übergeben. Die sind nun dabei ihr Fachpersonal aufzustocken. In der Öffentlichkeit wird schon geworben für den Wohnungsbau am Wasser.. In Hamm – Süd wurde schon vor Jahren ein großes Wohnungsvorhaben am Wasser abgeschlossen. Das wurde von den Bewohnern positiv angenommen.Es gibt schlimmste Verunstaltung der Ufer der Kanäle und des Flussufers der Bille. Logistikhallen, Parkplätze, Schrottplätze, Müllkippen und dann Schrebergärten und Restgrün und Sportboothäfen sowie ein Verkehrsübungsplatz. Die Entwicklung der Hafen-City soll nicht an den Elbbrücken enden, sondern weiter in Richtung Osten nach Horn und Billstedt entwickelt werden. Im Kleingartengebiet „Horner Rampe“ gibt es 1000 Kleingärten. Nicht so qualitätsvoll wie auf der Billerhuder Insel. Die Bewohner dürfen eigentlich nicht durchgehend dort leben und sind auch nicht an der Kanalisation angeschlossen. Sickergruben sind ein Notbehelf. Eigentlich sind diese KLG nach dem Krieg zur Selbstversorgung der arbeitenden hungrigen Menschen gedacht worden. Jetzt liegen weiße Luxusjachten und großformatige Boliden parken auf den Parkplätzen und die kleinen Gartenhäuschen sind teilweise schmucke Häuser geworden. All dieses Land wird jetzt für Wohnungsbau beansprucht.Begehbare Uferzonen werden entstehen. Das große Billebecken wirkt wie die Außenalster. Hier lässt es sich gut wohnen. Leider fehlt die kritische Öffentlichkeit.Die positiven Stimmen sind zu wenig. Auch muss die Bille teilweise ausgebaggert und belasteter Schlick entsorgt werden.
Nach drei Stunden kamen wir wieder in Hammerbrrok an. Ein uns weitgehend unbekanntes Gebiet von Hamburg unweit der Mitte von Hamburg haben wir kennengelernt. Vielen Dank dem Verein „Grüne Metropole am Wasser e. V.“ für diese informative Fahrt durch die Wasserwelt von der Bille und ihren Kanälen.
 
Heiner Fosseck
 
 
 
 
 
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20.7.17 08:36
 



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