Ein Baum im Hirschpark. Hoffentlich bleibt er uns noch lange erhalten.
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Links Hamburg, rechts die Nordsee, vorn Finkenwerder und hinten bald Dänemark. Um uns Blankenese. Über uns der Himmel. Unter uns die Elbe. Und wir: Mitten drin! Wolfgang Borchert

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Polenreise 2017

Polenreise
Um 4 Uhr aufstehen ist nun nicht mein Ding, aber wat mut,das mut. In Stellingen wartete schon unser Bus. Das war aber nur ein Kleinbus, der uns auf einen Parkplatz an der Autobahn A 24 nach Rostock brachte. Hier wurde umgeladen in einem Luxusbus mit über 40 Sitzen, von denen aber nur 23 Plätze besetzt waren und ab ging es nach Breslau. Warum wir durch Berlin fahren mussten erschloss uns nicht sofort. An der Grenze bei Cottbus tauschten wir Geld in Zlotis und dann ging es in das Abenteuer Polen. Zuerst ging es über eine Rüttelautobahn, die unsere Vorurteile von Polen bestätigte. Aber in Polen hat sich seit 2005 sehr viel getan. Denn, in dem Jahr war ich mit dem Rad mal nach Danzig gefahren. Eine eindrucksvolle Erfahrung. Schon an der polnischen Sprache scheitert wohl schon manch williger Deutscher an den sechs und mehr Konsonanten in einem Wort.
Um 18.30 Uhr kamen wir in der Innenstadt von Breslau an. Das Hotel lag in der Powstancow Slaskich 7B .Sicherlich kann das jeder flüssig aussprechen. Das Essen war gut und reichlich. Das Hotel hatte 4 Sterne Standard.
Am nächsten Tag hatten wir in Breslau eine Stadtführung. Unsere Stadtführung konnte sicherlich besser Deutsch sprechen, als die meisten von uns. Das Wetter war sommerlich warm und brav besichtigten wir die Jahrhunderthalle mit der imposanten Kuppel, sowie die 70 m hohe Stahlnadel davor, und die wiederaufgebauten Kirchen und blaue Brücken, Denkmäler mit Johannes Paul der zweite und kleine bronzene Zwerge, die in der Innenstadt an vielen möglichen und unmöglichen Plätzen aufgestellt sind. Walter und ich besichtigten auf eigene Initiative den zu dieser Stunde noch menschenleeren Schweidnitzer Keller drunten im alten Rathaus. Dort saßen wir Bier trinkend in höchst bequemen blutroten Fau|teuils und das Leben war schön .Als wir endlich wieder die Sonne erblickten , stellten wir uns vor einen Bäckerladen an und kauften leckeres in Schmalz gebackendes einheimisches Gebäck und sahen höchst vergnügt zu, wie eine bunt angezogene Japanerin ein Selfi von sich und einen bronzenen Gartenzwerg zu knipsen versuchte. Es gefiel uns gut in der Altstadt von Breslau oder jetzt Wroclav. Viel ist wieder aufgebaut. Schön die Häuserfronten am Markt.
Nach langer Fahrt durch das grüne Schlesien kamen wir nachmittags in Krakau im Novotel Hotel an.
Unsere recht sportliche Führerin zeigte uns am nächsten Tag Krakau. Also zuerst rauf auf dem Wavel. Die große Burg an der Altstadt. Wir stiegen etliche Stufen hoch und besahen die fast leeren Prunkräume. An den Wänden hingen handgewebte Teppiche. Die wiederholten sich endlos und einer jammerte, dass man hauptsächlich nur Teppiche gesehen hätte. Auch wurde uns erzählt, wer nun alles hier residiert und gebaut hatte. Interessant war die Kirche im Schloss. Da waren wohl alle Baustile der vielen Jahrhunderte. Der Hügel Wawel in Krakau ist Polens Heiligtum. Ausgerechnet hier herrschte im Zweiten Weltkrieg Hitlers Statthalter Hans Frank.. Der Schlächter Polens. Dann zum Rynek, den großen Marktplatz. Hier war großer Auflauf. Viel Volk war unterwegs. Hat Krakau doch über 37000 Studenten, die auch das Stadtbild prägen. Ein großes bronzenes Denkmal mit Brunnen zog besonders Kinder und Jugend an. Die einen plantschen im Brunnen, die größeren Buben und Mädels bestiegen den verehrungswürdigen Helden des polnischen Volkes. Viele weiße Kutschen, gezogen von zwei Pferden, trabten über den großen Platz. Darin waren keine, die sich trauten den Bund der Ehe einzugehen, sondern meist schwergewichtige, gut Betuchte aus aller Herren Länder. Vom Turm der Marienkirche erklang ein kurzes Trompetenstück, ein alter Brauch. Die Tuchhallen mit ihren Ständen voll mit kunstgewerblicher polnischen Folklore hatten wir schnell abgehakt. Mittags aßen wir in einem kleinen Park, der früher mal ein Wassergraben war.
Dann mit dem Bus in das alte jüdische Viertel. Das im Osten von Krakau gelegene Kazimierz war das kulturelle und religiöse Zentrum der Juden in Polen..Klezmer-Musik erklang aus einer Gaststätte Heute ist Kazimierz mit seinen alten Häusern, Tempeln und Restaurants durch und durch touristisch geprägt.
Im Frühtau, am nächsten Morgen ging es vom Hotel in Krakau nach Warschau, der Hauptstadt Polens. Autobahnabschnitte waren teilweise schon fertig, dann ging es wieder durch alte Landstraßen und schmucke Dörfer. Felder waren gut bestellt. Vieh sah man wenig. Weite große Wälder und die leicht hügeliche schlesische Landschaft. Dann viel Industrie bei Katowice und viel Verkehr. In Warschau angekommen, bezogen wir das Hotel Mercure direkt in der Innenstadt. Warschau, die Hauptstadt Polens ,hat im 2. Weltkrieg sehr gelitten und wurde weitgehend zerstört. Der Aufstand im Warschauer Ghetto, am Ende der Deutschen Terrorherrschaft, im Angesicht der Roten Armee am jenseitigen Weichselufer, mit den vielen unnötigen Opfern, hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der Polen eingegraben. Besonders der Kniefall des deutschen Bundeskanzlers Willy Brandts vor dem Denkmal der gefallenen Helden am 7. Dezember 1970 beeindruckte die Öffentlichkeit weltweit. Mitten in der Innenstadt Warschau thront immer noch der im stalinistischen Zuckerbäckerstil errichtete Kulturpalast, dem höchsten Gebäude Warschaus. Rundum wurden in den letzten Jahren eine Skyline von hoch modernen Glaspalästen gebaut. Das Bronzedenkmal von Frédéric Chopin im Łazienki-Park in Warschau ist beeindruckend.. Es stellt den Komponisten unter einer vom Wind gebeugten Weide dar. Die Zweige der Weide sollen die bewegten Finger des Pianisten darstellen. Bewunderungswürdig sind die wieder aufgebaute Altstadt und die Königsburg und Adelspaläste. Sie erfreuen die Herzen der Besucher Warschaus. Auch Warschau ist eine quirlige, nicht nur verkehrsreiche moderne Stadt geworden.. Der Mehltau der sozialistischen Jahre verschwindet langsam.
Der nächste Tag sah uns frühzeitig auf der Autobahn in Richtung Danzig. Das bedeutet nicht, dass die Autobahn durchgehend befahrbar war. Denn auch an der Autobahn wurde noch fleißig gewerkelt. Immer mal mussten wir durch große Baustellen fahren. Lange Staus waren die Folge. Bevor wir nach Danzig fahren, wurde die alte Deutschordensburg Marienburg angefahren. Diese Burg ist aus Millionen von roten Backsteinen erbaut. Es war Samstag und es regnete reichlich. So hat sich halb Polen aufgemacht und wollten auch die Ordensburg besichtigen. Nicht nur vor der Kasse war eine Menschenschlange, sondern auch vor den Klos und den vielen Sälen in der Burg. Die einzelnen Fremdenführer schrien sich gegenseitig nieder und ich hörte kaum noch hin. Ich interessierte mich auch mehr für die großen Küchen und die Toiletten der alten Burg an der Weichsel. Wir mussten über eine Fußgängerbrücke marschieren, die mit vielen Liebesschlössern behängt war, um den Busparkplatz zu erreichen.
In Danzig angekommen, bezogen wir das Novotel mitten in der Altstadt. Was ein Glücksfall war. Treubrav besichtigten wir das Krahntor, und die große Marienkirche, die Frauengasse, wo vor Jahrzehnten die Außenaufnahmen für einen Buddenbrooks- Film gemacht wurden.. Auch wurden wir in einen Bernsteinladen geschleppt, wo man uns einen Vortrag hielt mit der Mahnung, ja nicht auf der Straße Bernsteinschmuck zu kaufen, der wäre zumeist aus Kunststoff. Behalten habe ich, dass man tunlichst ein Feuerzeug bei sich haben sollte, denn echtes Bernstein brennt . Verständlich, denn es besteht aus fossilen Harz.
Der nächste Tag machten wir mit dem Bus einen Ausflug nach Zoppot, das ich 2005 kennenlernte und jetzt 2017 kaum wiedererkannte.. Hier war ein Bauboom ausgebrochen und hinter dem 5 Sterne plus Grandhotel hatte man die Straßen in einem Tunnel versenkt. Die damals schon lange Seebrücke wurde noch mal verlängert und kostet nun Eintritt. Es war Sonntag und das Wetter war schön und wiederum war halb Polen hier in Zoppot auf den Beinen. Gdingen wurde sehr kurz besichtigt. Das polnische Segelschulschiff, ein dreimastiges Vollschiff, liegt immer noch an der Kai von Gdingen. Im Dom zu Oliva unweit von Danzig, genossen wir ein eindrucksvolles Orgelkonzert. Wundervoll Bach, immer wieder Bach.. Die lautstarken Orgelklänge ließen mich schon befürchten, dass die alten pommerschen Könige aus ihren bronzenen Grabstätten steigen würden. In Oliva sahen wir das Haus von Lech Walesa, der einstige Elektromonteur der Danziger Werft und von 1990 der Präsident von Polen.
Der vorletzte Tag fuhren wir nach Stettin. Da kamen wir in den vornehmen Radission Hotel unter.. Ein Hotel, dass auch so in Frankfurt oder Brüssel stehen könnte. Ich war froh und dankbar, als ich nun 2017 sah, wie gut sich Stettin in den letzten Jahrzehnt gemausert hatte. Sehr gut habe ich in er Erinnerung, wie 1956 doch schon 11 Jahre nach 1945 , aussah. Schutt, nur Schutt, der ganze Hafen nur Schutt. Da waren gerade mal die Straßen freigeräumt. Maa musste in der Mitte der Straße gehen. Hoch oben die Hakenterrasse. Auch sehr demoliert. Ein kleiner Zirkus hatte sich mitten im Trümmelfeld sein Zelt aufgebaut und ich allein mit meinen 15 Jahren in der fremden zerstörten Stadt ging in den Zirkus. Heute ist das Stettin auch eine lebendige Stadt. Jeder hat ein Auto oder möchte ein Auto fahren. Da sind sich alle Polen einig. Überhaupt ist das Markenbewusstsein hier in Polen erstaunlich. Starbuck und Mc Donald sind proppenvoll. Wir besichtigten das weiße Schloss und die wieder aufgebaute Altstadt. Bei einer Stadtrundfahrt sahen wir noch viele Gebäude aus deutscher Zeit. Hier wohnen noch viele nicht betuchte Polen zu günstigen Mieten.Von der pompösen Hakenterrasse sahen wir auf den Hafen und den Hauptbahnhof herunter.
Am nächsten Tag ging es in Richtung Heimat. Wir fuhren unbehelligt von Zöllnern oder Polizei in Richtung Lübeck. Der Kreis hatte sich geschlossen. Eine schöne interessante, aber anstrengende Reise, hatte sein gutes Ende gefunden.
Heiner Fosseck
19.7.17 12:32
 



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