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Blankeneser Trachten zwischen 1780 und 1860

 

 


Eine Ausstellung des Förderkreis 700 Jahre Blankenese im Fischerhaus

 

 

Die Blankeneser bringen schöne Fische, hier bieten sie Steinbutten freundlich an.Seht hinten nur das Weib an ihrem Tische. Die Vorderste, die ruft die Leute an.

Die ständische Kleiderordnung  von 1636 löste sich im Laufe des 18. Jahrhundert allmählich auf. Nicht die Zugehörigkeit zu einem Stand, sondern die finanziellen Mittel und persönlichen Möglichkeiten spielten bei Kleiderfragen eine wichtigere Rolle. Bei Strafe war es untersagt, dass ein Handwerker sich mit einem roten Mantel kleidete. Das war dem Adel vorbehalten. Gelb war die Farbe des Neides und auch Prostituierte mussten sich einen gelben Mantel umhängen.

Ende des 18. Jahrhunderts bildeten sich unterschiedliche Kleiderstile. Durch die Französische Revolution und die Verfassung der Vereinigten Staaten wurde das
Selbstbewusstsein der niederen Stände gestärkt. In ländlichen Gebieten entstanden Trachten, die bis heute als Ausdruck regionaler  Identität gedeutet werden.

Blankenese war ein Fischerdorf. Frauen haben Fische auf den Märkten in Hamburg und Altona feil geboten. Hier trafen sie auf Gemüsehändlerinnen aus Bardowiek, die mit blauen Mieder, roten Röcken, sowie mit blauen Strümpfen bekleidet waren. Das wurde von den Blankeneserinnen   gerne übernommen, zumal fahrende Händler diese Stoffe und schürzen auch in Blankenese anboten.

Die weißen Blusen sind knielange Hemden ohne Halsabschluss. Der Strohhut wurde täglich als Sonnenschutz getragen, da helle Haut als vornehm galt.

Im Lauf des 19. jahrhundert wurden die Trachten immer kostbarer und aufwändiger. Durch den rasanten Aufschwung der Blankeneser Schifffahrt nach den napoleonischen Kriegen hatten viele Blankeneser Familien die nötigen Mittel für Silberne- oder Goldbrokathauben und für Schnallen, Knöpfe, Nadeln und Broschen aus Silber. Für die ärmere Bevölkerung und das Gesinde waren Trachten zu kostspielig. Blankeneser Fischer trugen alltags ihre Arbeitskleidung. Überhaupt setzte sich die Tracht bei den Männern sehr viel weniger durch. Höchstens an Sonn- und Feiertagen konnte man Blankeneser in tracht sehen.

Die Städtische Bevölkerung kleidete sich „a la mode“. Auch Ärzte, Reeder und Landhaus – Bewohner in Blankenese bevorzugten städtische Bekleidung.

Etwa gegen 1830 entsprach die schlichte Fischertracht nicht mehr den modischen Ansprüchen der Blankeneserinnen. Sie wurde von der Bauerntracht mit den Beiderwandrock abgelöst.

Bald entwickelten sich daraus mehrere Varianten für unterschiedliche Anlässe, wie z. B. Kirchgang, Konfirmation, Hochzeit und Trauer unter Verwendung edler Stoffe wie Batist, Seide, Brokat und Brüsseler Spitze.

Es gab eine spezielle Trauertracht, die zunächst ganz in Schwarz gehalten war. Die Trauerzeit war zwei bis vier Jahre. Es gab vier Trauertrachten. In Blankenese trugen viele Frauen Trauertracht. Das lag einmal an der langen Trauerzeit und dass die Männer zur see fuhren und dort einen frühen Tod fanden.

In der zweiten Hälfte des 19. jahrhunderts zeigten immer weniger junge Blankeneserinnen Interesse an einer tracht. Sie empfanden diese sehr begrenzt regionale Kleidung als unmodern. Sie passte nicht zur politischen Entwicklung, dem Wiedererstehens eines deutschen Nationalstaats um 1871. Die Bevölkerung gab einer überregionalen einheitlicher Kleidung den Vorzug.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden von jungen Blankeneserinnen Tracht bei festlichen Gelegenheiten getragen.

Diese Tradition wurde von Blankeneserinnen um Lore Hülsen wieder aufgegriffen und um 1984 wurde die Trachtentanzabteilung im Blankeneser MTV gegründet. Seit dem sind Blankeneser Trachten bei vielen geselligen Ereignissen zu sehen.

Heiner Fosseck 

 

29.4.10 13:30
 



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